Joachim-Ernst Berendt Cool Bop

Ry Cooder – vielleicht der bekannteste Jazz-Gitarrist aller Zeiten – benannte seinen Sohn nach ihm. Für die legendäre Jugendzeitschrift Twen stellte er regelmäßig Jazzcompilations zusammen – und kann damit quasi als Erfinder der „Bravo Hits" gelten. Er veranstaltete unzählige Festivals, produzierte Platten und war 40 Jahre Jazzredakteur beim SWR. In dieser Woche wäre Joachim-Ernst Behrendt, eine Lichtgestalt des deutschen Jazz, 92 Jahre alt geworden.
 
Sein 1960 in der Twen erschienener Essay über die Jazzströmung Cool Bop müsste zum Standardwerk werden für alle, die sich heute nur noch mit Tech-, Deep-, und Super-House auskennen. Nur die Drogen waren damals schon fast die gleichen (siehe dazu seine Warnung „Rauschgift und Jazz“). „Darum erst recht!“ heißt es im Essay von den Modern Bop-Musikern. (Karl Wolfgang Flender)

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Cool Bop

Bis vor drei oder vier Jahren war der Cool Jazz das letzte Wort in der Jazzmusik. Man hat gesagt, er sei eine Musik der Resignation gewesen; die Musik der Menschen, die wissen, daß die Atombombe gebaut wird, und die trotzdem gut leben wollen. Jetzt gibt es den „Modern Bop“. Und an die Stelle der Resignation ist ein wilder, flammender Protest getreten. „Wenn Jazz ohne ein Moment des Protestes gespielt wird, verliert er seinen Sinn“, hat ein moderner Bop-Musiker gesagt. Der Jazz und die Jazzmusiker protestieren längst nicht mehr nur aus rassischem Ressentiment; sie protestieren gegen alle die Klischees, die tausendmal versagt haben und gleichwohl immer noch als Werte deklariert werden.
Nicht umsonst stammen die jungen Musiker des modernen Bop nicht mehr aus den ländlichen Südstaaten, woher die wesentlichen Jazzmusiker fast aller Jazzstile bisher gekommen sind; heute kommen die jungen Jazzmusiker aus den Zentren der amerikanischen Industrie – der Automobilstadt Detroit und aus den Stahlarbeiterstädten Pittsburgh und Philadelphia.

Noch nie waren die Jazzmusiker so selbstbewußt. Der aus Detroit stammende Donald Byrd – einer der besten Trompeter der jungen Jazzgeneration – sagt, daß das ganze Wesen des Jazz Blues sei, und daß der Blues einfach die Musik der schwarzen Rasse sei. Und er erzählt dann, daß er Wochen damit zugebracht habe, gebildeten weißen Schülern, die bei ihm Unterricht genommen hätten, bestimmte Bluesphrasen beizubringen, aber: „Sie haben es nicht verstanden.“ Und er fügt hinzu: „Mein dreijähriger Junge begriff es sofort.“

Aus Gründen der Selbstachtung und des Selbstbewußtseins… Weiterlesen auf Waahr.de